Gesundheit – ein Gut und sein Preis

Thu, 25. June 2026
von 19:30 Uhr bis 21:55 Uhr
Nachbarschaftshaus Gostenhof, Großer Saal, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg

Und vor allem Gesundheit!” wird gewünscht anlässlich von Geburts- und Feiertagen. Gesundheit gilt als hohes, schnell verderbliches Gut; gesund zu sein als das größte Glück schlechthin. Das ist merkwürdig. Da wird die bloße körperliche Voraussetzung für alle möglichen Zwecksetzungen höher eingeschätzt als die Zwecke, die der Mensch verfolgt.

Offenbar ist die Gesundheit in dieser Gesellschaft ständig gefährdet; d.h. sie unterliegt einem erheblichen Verschleiß. Auch das ist merkwürdig. Denn die Natur als Krankheitsursache ist weitgehend ausgeschaltet. Große Volksseuchen wie Covid 19 gelten als die Ausnahme, die den gewohnten Gang völlig durcheinander bringt. Normal ist stattdessen, dass die Masse der Leute an sogenannten Berufs- und Zivilisationskrankheiten leidet. Was ist das für eine Sorte Zivilisation, deren Arbeits- mitsamt dazugehöriger Freizeitwelt die Menschen systematisch kaputt macht?

Mit seinen Gesundheitsproblemen wird niemand allein gelassen und gleichzeitig macht das staatlich organisierte Gesundheitswesen es niemandem recht, zum Gesundheitswesen gehört seine Kritik: Nicht wenige Patienten argwöhnen, dass Ärzte Geldschneider, Kurpfuscher oder beides sind. Oder beklagen, dass Kassenbeiträge steigen und die Kassen immer weniger Leistungen abdecken. Umgekehrt regen sich Ärzte über zu geringe Vergütungen auf und warnen, dass damit die Versorgung der Patienten in Gefahr ist. Und die Politik beklagt ein „immer teureres Gesundheitssystem“ und entdeckt „Überversorgung“ genauso wie unzureichende Qualität ärztlicher Eingriffe sowie „strukturelle Fehlanreize“.

Einwände dieser Art kritisieren jeweils vom Standpunkt des Patienten, des professionellen Dienstleisters und des staatlichen Kassenverwalters aus mangelhafte oder gar vorenthaltene Leistungen des Gesundheitsbetriebs sowie dessen schlechte Organisation und fordern Besserung. Aber was ist, wenn der Skandal gar nicht in der fehlenden Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens liegt, sondern in seiner Leistung und dem Zweck, dem es dient? Vielleicht ist ja in dessen kapitalistischer Logik das notorische Missverhältnis von Einnahmen und Ausgaben begründet, das nicht nur die amtierende Gesundheitsministerin zu immer neuen „Reformen“ der gesetzlichen Krankenversicherung und ihrer Unterabteilungen treibt?

Lesetipp:

Gesundheit | GegenStandpunkt

Hörtipp: Kritik der Soziologie

Ein Interview von 99zuEins mit Egbert

Soziologen erforschen alles, was andere untersuchen, noch einmal soziologisch. Politik, Religion, Literatur, Familie und Krieg entschlüsseln sie als im Grunde immer wieder dasselbe: „Formen von Vergesellschaftung“. Dabei finden Soziologen nicht interessant, um was es in den verschiedenen Fällen von Gesellschaft geht, sondern immer, dass da ein überindividueller Zusammenhang von Individuen (solange er besteht) offenbar funktioniert. Und alles, was Soziologen in dieser Gesellschaft an Institutionen, Handlungsweisen und Sitten zum Thema machen, deuten sie nach ihrem Schema als entweder funktionalen Beitrag zur Systemstabilität oder als ihre Gefährdung. Was verkehrt ist an scheinbar unwidersprechlichen Aussagen wie, alles sei „gesellschaftlich vermittelt“, „der Mensch ist Produkt der Gesellschaft“, diese umgekehrt wieder „Produkt der Menschen“ und ihrer Interaktionen – darum geht es in dieser Folge mit Egbert.

Kritik der Soziologie – mit Egbert – 99 ZU EINS – Ep. 460 – YouTube

Hörtipp: Debatte zu Klimakrise & Klimapolitik

Der Podcast 99zuEins veranstaltet am Sonntag, dem 2. Juli, ab 20:00 Uhr ein Streitgespräch zwischen Aimée van Baalen von der Letzten Generation und Usama Taraben von der Zeitschrift GegenStandpunkt unter dem Titel „Die Letzte Generation – radikaler Aufstand des Gewissens? Und: Hat die letzte Generation recht damit, dass die Regierung nicht angemessen gegen die Klimakrise handelt?“

Der Link zum Youtube-Auftritt: https://www.youtube.com/watch?v=Rg992slj5Cc