„Kriegsbereitschaft“: Wie die Regierung für ihr Recht auf ‚Kanonenfutter‘ wirbt

Thu, 26. February 2026
von 19:30 Uhr bis 21:45 Uhr
Nachbarschaftshaus Gostenhof, großer Saal, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg

Die Merz-Regierung sagt an: Kriegsbereitschaft muss sein. Dafür krempelt sie das Land um, will die Gesinnung der Bevölkerung auf Vordermann bringen und greift für das Militär auf Teile der Jugend zu. Politiker erklären auch, weswegen „wir alle“ Aufrüstung und Kriegsbereit­schaft brauchen: Putin führt Krieg in der Ukraine und meint damit auch „uns“. Er lässt „uns“ keine Alternative, weil er „uns“ nicht in Frieden und Freiheit leben lassen will.

Da würden wir gerne schon mal wissen, was Putin dage­gen haben sollte, dass die Menschen hierzulande ihrem Alltag nachgehen, arbeiten, zur Schule gehen, einkaufen und Kinos oder Discos besuchen. Aber geht es darum überhaupt, wenn die Regierung „unsere Sicherheit“ gleich an der russischen Westgrenze, in der ein paar tausend Kilometer entfernten Ukraine beginnen lässt und bedroht sieht?

Alles, was die deutsche Politik zur Abschreckung der russischen Militärmacht unternimmt, also dafür, dass sie überlegen Krieg gegen diese Macht führen kann – wofür Teile der eigenen Bevölkerung als Kampfmittel vorgese­hen sind, die ihren Kopf hinzuhalten haben –, soll man ihr als Schutz des eigenen Lebens abkaufen.

Uns allen“ wird damit die geistige Zumutung aufge­macht, sich die politische Herrschaft eines fremden Staates als eigenen, persönlichen Feind zu denken, und sich darüber unmittelbar mit der Kriegsplanung der deut­schen Staatsgewalt zusammenzuschließen und für sie ein­spannen zu lassen.

Logisch ist das alles nicht. Darüber soll auf unserer Veranstaltung diskutiert werden. Und wir wollen uns der Frage widmen, wofür man sich eigentlich hergeben soll, wenn einem angesagt wird, „für Krieg bereit“ zu sein.

Lesetipp: Kriegsbereitschaft heute | GegenStandpunkt 4-25

GegenStandpunkt 4-25

Große Führer lieben ihr Volk. Darum beglücken sie es kompromisslos mit Verhältnissen, in denen es gar nicht anders kann, als für die Größe der Nation da zu sein. Denn das ist die höchste Pflicht des Volkes, zugleich sein höchstes Recht, also seine eigentliche Bestimmung.

Der MAGA-Präsident macht es vor: Trump ruft einen Generalnotstand für das großartige Amerika aus, das er zugleich für total heruntergewirtschaftet hält. So will er dafür sorgen, dass die Nation wieder die globale Vor- und Allmacht ausspielt, die seine Vorgänger verraten und vergeigt, also dem amerikanischen Volk geklaut haben. Letzteres hat sich seit längerem an ausländische Drogen und hauseigene Lebensmittelmarken gewöhnt, statt sich auf der Jagd nach Dollar für Amerikas Größe nützlich zu machen. Mit seinem Kampf gegen Migranten, den Sozialstaat, Wokeness und seine politischen Kontrahenten, denen er die Ausbreitung all dieser Seuchen zur Last legt, verhilft Trump seinen Amerikanern dazu, wieder großartig, also richtig amerikanisch zu sein:

Das amerikanische Innenleben wird MAGA. Mehr Freiheit der Regierungsmacht für mehr Großartigkeit der Weltmacht

Der Rest der Welt macht es nach: Z. B. der deutsche Kanzler, der unzufrieden ist mit denen, die er regiert: Die einen sind hier, obwohl sie keine Deutschen sind. Von seinen Deutschen arbeiten zu viele nicht, sondern leben im Luxus des staatlich bereitgestellten Existenzminimums; diejenigen, die arbeiten, tun das viel zu kurz – pro Woche und überhaupt gemessen an ihrer überbordenden Lebensdauer; und sie bestehen unter dem Slogan ‚work-life-balance‘ auch noch darauf, dass ihre Arbeit sich irgendwie für sie lohnt. Des Kanzlers ‚Herbst der Reformen‘ soll ihnen solchen Unfug austreiben. Und seine Politik gegen Migranten verbürgt, dass Deutsche ihre erzwungene Anpassung an jede staatliche Vorgabe stolz als Privileg fühlen können:

Armut, Rente, Arbeitszeit. Der Herbst der Reformen und „Stadtbild“ Weiterlesen „GegenStandpunkt 4-25“

Hörtipp: Kritik der Soziologie

Ein Interview von 99zuEins mit Egbert

Soziologen erforschen alles, was andere untersuchen, noch einmal soziologisch. Politik, Religion, Literatur, Familie und Krieg entschlüsseln sie als im Grunde immer wieder dasselbe: „Formen von Vergesellschaftung“. Dabei finden Soziologen nicht interessant, um was es in den verschiedenen Fällen von Gesellschaft geht, sondern immer, dass da ein überindividueller Zusammenhang von Individuen (solange er besteht) offenbar funktioniert. Und alles, was Soziologen in dieser Gesellschaft an Institutionen, Handlungsweisen und Sitten zum Thema machen, deuten sie nach ihrem Schema als entweder funktionalen Beitrag zur Systemstabilität oder als ihre Gefährdung. Was verkehrt ist an scheinbar unwidersprechlichen Aussagen wie, alles sei „gesellschaftlich vermittelt“, „der Mensch ist Produkt der Gesellschaft“, diese umgekehrt wieder „Produkt der Menschen“ und ihrer Interaktionen – darum geht es in dieser Folge mit Egbert.

Kritik der Soziologie – mit Egbert – 99 ZU EINS – Ep. 460 – YouTube

Hörtipp: Debatte zu Klimakrise & Klimapolitik

Der Podcast 99zuEins veranstaltet am Sonntag, dem 2. Juli, ab 20:00 Uhr ein Streitgespräch zwischen Aimée van Baalen von der Letzten Generation und Usama Taraben von der Zeitschrift GegenStandpunkt unter dem Titel „Die Letzte Generation – radikaler Aufstand des Gewissens? Und: Hat die letzte Generation recht damit, dass die Regierung nicht angemessen gegen die Klimakrise handelt?“

Der Link zum Youtube-Auftritt: https://www.youtube.com/watch?v=Rg992slj5Cc