Pistorius klärt die Jugend auf: Der Preis der Freiheit – Kriegsdienst am Vaterland

Thu, 19. March 2026
von 19:30 Uhr bis 21:55 Uhr
Nachbarschaftshaus Gostenhof, Großer Saal, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg

Die Bundesregierung macht das Land kriegstüchtig. Dafür gibt sie Milliarden für die Aufrüstung aus und will Teile der Jugend für den Dienst an der Waffe. Auf den wollen die sich nicht ver­pflichten lassen und gehen auf die Straße.

Großartig – findet das ausgerechnet der Verteidigungsminister. Er hat mitbekommen, dass sich die demonstrierenden Schüler anstelle von Militärdienst und Kriegsein­satz eine andere Zukunft vorstellen. Des­halb wirbt er für die Wehr­pflicht – mit drei verkehrten Gedanken­schrit­ten: 1. Wenn die Schüler protes­tieren und demonstrieren, dann neh­men auch sie die Freiheit dazu wahr. 2. Diese Freiheit gibt’s nur, weil der deut­sche Staat sie ge­währt und schützt. 3. Wenn dieser Staat in einem kriegsträchtigen Gegensatz zu einer ausländischen Staats­macht steht wie aktuell zur russischen, dann hat er das Recht zu for­dern, dass auch die Jugend seinem Schutz dient. Dementsprechend ha­ben sich die protestierenden Schüler den Schutz des Staates zum An­liegen zu machen, gegenüber dem alles un­wichtig ist, was sie selber wollen. Ziemlich frech, der Herr Pistorius: Die Demonstranten sollen zu ihrer Kritik die un­vernünftige Stellung einnehmen, die Erlaubnis, sie zu äußern, als ho­hen Wert anzusehen und sie wichtiger zu neh­men als den Inhalt, um den es ihnen geht. Er verlangt von ihnen allen Ernstes, dem Wehrdienst zuzustimmen, weil sie dagegen demon­strie­ren dürfen.

Und dabei ist klar: Pistorius und Kollegen machen in Sa­chen Aufsto­ckung der Bundeswehr nichts davon abhängig, dass sie aufmüp­fi­ge Schüler oder überhaupt die Jugend mit ihren Beleh­rungen über­zeu­gen. Sie reden ja gerade über die Wiedereinführung der Wehr­pflicht und diskutieren die entsprechen­den Optionen da­für unter­ein­ander, wäh­rend sie groß­zügigerweise die Kritik der Demonstranten erlau­ben und an sich abtropfen lassen. Und damit machen sie total klar, was die wirkliche Reihenfolge von Kriegsbedarf des Staates und den schönen Werten ist, mit denen sie werben: Was der Staat über die Jugend be­schließt, steht als Erstes fest: Kriegsbereitschaft, einschließ­lich Wehr­dienst muss sein. Als Zwei­tes wird ihr dann erzählt, dass auch sie den Wehrdienst braucht – wegen Meinungsfreiheit und ande­rer hohen Wer­te; der Jugend werden so ein paar Inter­pretationen für den Beschluss der Regierung nachge­liefert, in dem sie so oder so – frei­willig oder per Dienstverpflich­tung – für den Wehr­dienst bereits verplant ist.

Schon darum ist es keine gute Idee, diese hohen Werte – „Frei­heit“, „Frieden“ usw. – als Forderung gegen die Regierung hochzuhal­ten. Die sagt doch gerade an, wofür diese Werte stehen, weil sie es so be­schließt: An „unserer Freiheit“ ist derzeit das Wichtigste, dass der Mos­kauer Bösewicht sie „uns“ wegnehmen will; und vom „Frieden in Euro­pa“ soll man vor allem im Kopf behalten, dass es den nur als Leis­tung überlegener deutscher Militärgewalt gegen den „Kriegstrei­ber“ im Osten gibt. Deshalb können Pistorius und andere Politiker mit die­sen Werten genau den Anspruch an die Jugend, den Teile von ihr ablehnen, als unwi­dersprechlich präsentieren.

Wir behaup­ten: „Frieden“ und „Freiheit“ sind die verlogenen und zu­gleich total passenden Formeln für den Bedarf des Staates nach Durch­setzung seiner Macht. Also für alle Zwecke, die er machtvoll und, wenn es sein muss, auch mit Krieg verfolgt.

Darüber wollen wir auf unserer Veranstaltung diskutieren. Weiterlesen „Pistorius klärt die Jugend auf: Der Preis der Freiheit – Kriegsdienst am Vaterland“

GS 1-26

Schlimme Zustände auf der Welt, schwere Zeiten für Deutschland

Weil der Ukraine-Krieg nicht aufhört? Nein. Der ist ganz im Sinne Deutschlands. Das Schlimme ist, dass die USA unter Trump mit ihrem Willen, dem Krieg ein MAGA-mäßiges Ende auch gegen deutsch-europäische Ansprüche zu setzen, unberechenbar geworden sind. Das Gute ist aber, dass Selenskij sein Volk für uns immer weiter opfert. Und das Allerbeste ist, dass unter deutscher Führung die Konfiszierung russischen Vermögens für ein Reparationsdarlehen der EU dafür sorgt, dass unserem Mann in Kiew für seine guten Werke nicht vor der Zeit das gute Geld ausgeht.

Weil im Nahen Osten schon wieder ein großer Krieg gegen den Iran tobt? Nein. Den begrüßt Merz wieder als gelungene ‚Drecksarbeit‘. Das Schlimme ist, dass Deutschland bisher komplett ausgemischt ist aus dem nahöstlichen Kriegsgeschehen und auch aus dem Frieden, den Trump als Chairman für das Heilige Land beschlossen hat und der Region aufs Auge drückt. Das Gute ist aber wenigstens, dass der deutsche Kanzler sich schon mal öffentlich mit der Idee eines deutschen Eingreifens auf Seiten der USA anfreundet; nur so – wenn überhaupt – qualifiziert man sich bei Trump für die Mitgestaltung des Friedens.

Weil Trump das Vorrecht seines weißen Herrenvolkes auf die amerikanische Hemisphäre propagiert und im Innern gegen Fremde vorgeht, wie man es sonst von Besatzungsmächten kennt? Nein. Daran findet Merz nichts auszusetzen – er bekämpft in Deutschland mit Verweis auf deutsche Stadtbilder, deutsche Töchter und ähnliches Kulturgut das Übel Migration ja auch. Das Schlimme ist, dass Trump seine regierungsamtliche Fremdenfeindlichkeit im Rahmen einer amerikanischen Erneuerungspolitik betreibt, die auch als Angriff auf die Politik gemeint ist, die in Europa unter deutscher Führung nach innen und außen gemacht wird. Gut also, dass Merz inzwischen neben seinem Opportunismus gegenüber Trump sich demonstrativ von ihm abgrenzt und versucht, mit genuin deutscher Stärke und nationalem Egoismus die neuartige Rivalität mit Amerika aufzunehmen. Weiterlesen „GS 1-26“

GegenStandpunkt 4-25

Große Führer lieben ihr Volk. Darum beglücken sie es kompromisslos mit Verhältnissen, in denen es gar nicht anders kann, als für die Größe der Nation da zu sein. Denn das ist die höchste Pflicht des Volkes, zugleich sein höchstes Recht, also seine eigentliche Bestimmung.

Der MAGA-Präsident macht es vor: Trump ruft einen Generalnotstand für das großartige Amerika aus, das er zugleich für total heruntergewirtschaftet hält. So will er dafür sorgen, dass die Nation wieder die globale Vor- und Allmacht ausspielt, die seine Vorgänger verraten und vergeigt, also dem amerikanischen Volk geklaut haben. Letzteres hat sich seit längerem an ausländische Drogen und hauseigene Lebensmittelmarken gewöhnt, statt sich auf der Jagd nach Dollar für Amerikas Größe nützlich zu machen. Mit seinem Kampf gegen Migranten, den Sozialstaat, Wokeness und seine politischen Kontrahenten, denen er die Ausbreitung all dieser Seuchen zur Last legt, verhilft Trump seinen Amerikanern dazu, wieder großartig, also richtig amerikanisch zu sein:

Das amerikanische Innenleben wird MAGA. Mehr Freiheit der Regierungsmacht für mehr Großartigkeit der Weltmacht

Der Rest der Welt macht es nach: Z. B. der deutsche Kanzler, der unzufrieden ist mit denen, die er regiert: Die einen sind hier, obwohl sie keine Deutschen sind. Von seinen Deutschen arbeiten zu viele nicht, sondern leben im Luxus des staatlich bereitgestellten Existenzminimums; diejenigen, die arbeiten, tun das viel zu kurz – pro Woche und überhaupt gemessen an ihrer überbordenden Lebensdauer; und sie bestehen unter dem Slogan ‚work-life-balance‘ auch noch darauf, dass ihre Arbeit sich irgendwie für sie lohnt. Des Kanzlers ‚Herbst der Reformen‘ soll ihnen solchen Unfug austreiben. Und seine Politik gegen Migranten verbürgt, dass Deutsche ihre erzwungene Anpassung an jede staatliche Vorgabe stolz als Privileg fühlen können:

Armut, Rente, Arbeitszeit. Der Herbst der Reformen und „Stadtbild“ Weiterlesen „GegenStandpunkt 4-25“

Hörtipp: Kritik der Soziologie

Ein Interview von 99zuEins mit Egbert

Soziologen erforschen alles, was andere untersuchen, noch einmal soziologisch. Politik, Religion, Literatur, Familie und Krieg entschlüsseln sie als im Grunde immer wieder dasselbe: „Formen von Vergesellschaftung“. Dabei finden Soziologen nicht interessant, um was es in den verschiedenen Fällen von Gesellschaft geht, sondern immer, dass da ein überindividueller Zusammenhang von Individuen (solange er besteht) offenbar funktioniert. Und alles, was Soziologen in dieser Gesellschaft an Institutionen, Handlungsweisen und Sitten zum Thema machen, deuten sie nach ihrem Schema als entweder funktionalen Beitrag zur Systemstabilität oder als ihre Gefährdung. Was verkehrt ist an scheinbar unwidersprechlichen Aussagen wie, alles sei „gesellschaftlich vermittelt“, „der Mensch ist Produkt der Gesellschaft“, diese umgekehrt wieder „Produkt der Menschen“ und ihrer Interaktionen – darum geht es in dieser Folge mit Egbert.

Kritik der Soziologie – mit Egbert – 99 ZU EINS – Ep. 460 – YouTube

Hörtipp: Debatte zu Klimakrise & Klimapolitik

Der Podcast 99zuEins veranstaltet am Sonntag, dem 2. Juli, ab 20:00 Uhr ein Streitgespräch zwischen Aimée van Baalen von der Letzten Generation und Usama Taraben von der Zeitschrift GegenStandpunkt unter dem Titel „Die Letzte Generation – radikaler Aufstand des Gewissens? Und: Hat die letzte Generation recht damit, dass die Regierung nicht angemessen gegen die Klimakrise handelt?“

Der Link zum Youtube-Auftritt: https://www.youtube.com/watch?v=Rg992slj5Cc