Trump sagt den Ukrainekrieg ab – Europa hält an seiner Feindschaft zu Russland fest
von 19:30 Uhr bis 21:45 Uhr
Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg
Fast täglich bemitleidet die deutsche Öffentlichkeit die ukrainische Bevölkerung für ihr schlimmes Schicksal im Dauerkrieg gegen Russland – und nicht nur die. Denn inzwischen sieht die europäische Mittelmacht Deutschland mit ihrem Interesse an Frieden und internationaler Ordnung auch sich selbst als Leidtragenden der jüngsten Wendung in diesem Krieg. Und die erleidet Schäden an viel Edlerem und Höherem als so schnöden Dingen wie Leib und Leben: Deutsche und andere europäische Politiker müssen nämlich erleben, dass der Macht- und Politikwechsel in Washington ihren kriegerischen Einsatz ins Abseits laufen lässt: Sie waren und sind nach wie vor bereit, die Ukraine mit Mann und Maus dafür zu verschleißen, dass die EU zu einer Kontinentalmacht aufwächst, die jeden konkurrierenden Machtanspruch Russlands in ihrem weiten Umkreis zurückweisen kann. Dafür haben sie den Heldentod von ein paar Hunderttausend Ukrainern subventioniert und viele schöne Euro-Milliarden und gute Waffen geopfert. Die erweisen sich nun nicht mehr als Investitionen in die goldene Zukunft einer europäischen Weltmacht, sondern womöglich als vertaner Aufwand: Trumps Amerika verliert das Interesse an diesem Krieg und zerstört damit einstweilen die wunderbare Perspektive Deutsch-Europas, unter amerikanischer Führung Russland als Rivalen zu entmachten und sich als kontinentale Vormacht zu etablieren. Wie bedauerlich!
Aber tüchtige europäische Führungskräfte geben deswegen doch nicht klein bei! Sie halten an ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss gegen Russland fest und versuchen aus den widrigen Bedingungen, die Trump setzt, das Beste für ihre Bekämpfung der Atommacht im Osten zu machen.
Das Regiment übers Volk haben sie ja. Ihm sagen sie die Opfer an, die es bringen muss, damit die Macht ihrer Nation nicht zum Opfer der neuen Weltlage wird.
Zitatesammlung:
„Trump: If I’m president, I will have that war settled in one day, 24 hours. … CNN: Can you say if you want Ukraine or Russia to win this war? TRUMP: I want everybody to stop dying. They’re dying, Russians and Ukrainians. I want them to stop dying. TRUMP: And I’ll have that done – I’ll have that done in 24 hours. I’ll have it done. You need the power of the presidency to do it. … Trump: If I were president, this would have never happened.“ (Trump im CNN-Interview am 11.5.23: https://edition.cnn.com/2023/05/11/politics/transcript-cnn-town-hall-trump)
„Trump hatte Selenskyj in scharfer Form angegriffen: ‚Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg‘, sagte Trump. Es sei respektlos von Selenskyj, auf Sicherheitszusagen der USA zu drängen. Während einer lautstarken Auseinandersetzung warf Trump Selenskyj vor, er sei ‚überhaupt nicht dankbar‘. … ‚Wenn Sie unsere Militärausrüstung nicht hätten, wäre der Krieg nach zwei Wochen zu Ende gewesen‘, sagte Trump unter anderem mit Blick auf den von Russland 2022 begonnen Angriffskrieg gegen die Ukraine. ‚Sie haben dankbar zu sein‘, so der Republikaner.“ (Eklat im Weißen Haus. Trump und Selenskyj brechen Treffen ab. Tagesschau.de, 28.2.25)
„Putin will keinen Frieden. Er will den Krieg fortführen, und das dürfen wir ihm nicht gestatten“. (Außenminister Wadephul am 25.5.25 [nach Trumps Telefonat mit Putin zur Beendigung des Ukraine-Kriegs am 19.5.], nach dem BR24-News-Ticker zum Russland-Ukraine-Krieg, br.de, 26.5.25)
„Aber durch die russische Aggression in der Ukraine kehrt der Krieg auf unseren Boden zurück. Der Krieg kehrt auch jeden Tag in hybrideren Formen zurück, durch Verletzungen unseres Luftraums, durch Einwanderung, durch Manipulation von Informationen, durch Cyberangriffe, durch Provokationen im Weltraum. Wir befinden uns leider erneut in einer Ära der Konfrontation. Angesichts dessen sind wir vereint geblieben, vereint vom ersten Tag an, um Russland zu sanktionieren, vereint vom ersten Tag an, um der Ukraine in diesem Widerstandskrieg zur Seite zu stehen. Und wir stehen heute vereint da und werden es bis zum Ende bleiben, denn in der Ukraine geht es um die Sicherheit der Europäer.“ (Rede von Präsident Macron am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober 2025)
„Uns ist es also gelungen, in einer ganzen Reihe von wichtigen Fragen gemeinsame Positionen zu finden und sie geschlossen und selbstbewusst nach außen zu vertreten. Ich spreche insbesondere von unserer gemeinsamen Anstrengung, die Ukraine auf dem Weg zu einem gerechten Frieden zu unterstützen. Nirgendwo wird deutlicher, das wir uns zuallererst um Europas Sicherheit kümmern müssen, und es deutet alles darauf hin, dass Putins imperialistischer Plan nicht mit der Eroberung der Ukraine enden, sondern erst damit beginnen würde.
Wir erleben täglich in wachsender Intensität und Aggressivität hybride Angriffe Russlands auch auf unsere Infrastruktur. Wir beobachten die Provokationen in der Nord- und Ostsee. Wir sehen, dass Russland und China sich in Südosteuropa Einflusssphären zu sichern versuchen. Dass die Ukraine damit auch unsere Freiheit in Europa verteidigt, meine Damen und Herren, dass wir sie gemeinsam mit der Ukraine verteidigen, ist insofern keine politische Prosa: Es ist eine Tatsache, aus der wir die Konsequenz ziehen müssen und gezogen haben, nämlich die Ukraine in ihrem Kampf für einen Frieden in Europa zu unterstützen, ihr beizustehen – und dies kann noch eine sehr lange Zeit dauern.“ (Rede von Kanzler Merz bei der Konferenz der Leiterinnen und Leiter deutscher Auslandsvertretungen „Arbeiten für Deutschland, jeden Tag, mit Verbündeten und Partnern in aller Welt“, 8.9.2025)
„Wir müssen die Fähigkeit entwickeln, den europäischen Kontinent aus eigener Kraft heraus verteidigen zu können.“ (Merz, FAZ, 17.5.25)
„Aber was sich seit nun fast vier Jahren abspielt, … ist der Beginn einer neuen Ära, einer neuen Epoche, die die Europäer dazu bringen wird, auch hier zu entscheiden, ob sie weiterhin eine Form der glücklichen oder unglücklichen Vasallenschaft akzeptieren wollen, je nach den Entscheidungen derer, von denen sie abhängig sind, oder ob sie endlich zum ersten Mal eine Militärmacht werden wollen. Das heißt, nicht ein Kontinent, der beschließt, sich zu bewaffnen, um sich selbst zu bekriegen, sondern ein Kontinent, der beschließt, an vorderster Front zu stehen, um andere davon abzuhalten, ihn anzugreifen, um sein Territorium und seine Werte zu schützen. Genau das ist die Frage, die sich uns stellt.“ (Rede von Macron …)
„Der Verteidigungsbedarf der Ukraine wird weit über einen kurzfristigen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen hinaus hoch bleiben. Die Ukraine wird weiterhin an der vordersten Front der europäischen Verteidigung und Sicherheit stehen und ist der entscheidende Schauplatz für die Definition der neuen internationalen Ordnung, in der ihre eigene Sicherheit mit der der Europäischen Union verknüpft ist. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen die Verteidigungs- und Sicherheitskapazitäten der Ukraine durch eine ‚Stachelschwein-Strategie‘ stärken, damit sie in der Lage ist, mögliche weitere Angriffe abzuwehren und einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Es ist daher dringend erforderlich, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten ihre militärische Unterstützung für die Ukraine aufstocken.“ (Europäische Kommission, Gemeinsames Weißbuch für die europäische Verteidigungsbereitschaft 2030, 19.3.25, S. 10)
Lesetipp zur Veranstaltung:
Trump sagt den Ukrainkrieg ab. Europa hält an seinem Unvereinbarkeitsbeschluss mit Russland fest – mit lauter Angeboten an den Friedenswillen der USA. In: GegenStandpunkt 2-25.