Diskussionsveranstaltung
Mi, 15. Juli 2020
von 19:15 Uhr bis 22:00 Uhr
Online-Veranstaltung, der Einladungslink:
https://discord.gg/fGBYU8

Sozialpartnerschaft heute – Fortsetzung

Wie die deutschen Gewerkschaften den Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital bewirtschaften

Zitatesammlung zur Veranstaltung

Tarifabschluss 2019 Chemie-Branche

ZEIT IST DAS NEUE GELD
… „Die Forderung nach mehr Zeitsouveränität steht an der Spitze der Prioritätenliste“, sagt Ralf Sikorski, der für Tarifpolitik zuständige stellvertretende IG BCE-Vorsitzende, „denn die Diskussionen in den Betrieben zeigten, dass viele Beschäftigte flexible Arbeitszeiten wollen, die zu ihren Bedürfnissen passten und die gleichzeitig für Arbeitsentlastung sorgten.““ (Aus: IG BCE, Report Juli 2019, auf: m.igbce.de)

Die IG BCE hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass ihr die genannten qualitativen Tarifforderungen besonders wichtig sind. Auf eine konkrete Prozentforderung beim Lohn hatte sie bewusst verzichtet und auch die Laufzeit nicht beziffert. … Nach dem jetzt erzielten Tarifabschluss erhalten die Beschäftigten für den Zeitraum bis Juli 2020 eine Einmalzahlung, die regional unterschiedlich zwischen vier und sechs Prozent eines Monatsentgelts beträgt. Dann folgt eine zweistufige Tariferhöhung. Zum 1. Juli 2020 werden die Entgelte um 1,5 Prozent angehoben, zum 1. Juli 2021 dann noch einmal um 1,3 Prozent.“ (Handelsblatt, 22.11.2019 auf: handelsblatt.com)

Nichts brennt den Beschäftigten derzeit so auf den Nägeln wie die wachsende Arbeitsverdichtung und die Frage finanzieller Sicherheit im Alter.“ (Ralf Sikorski nach dem Tarifabschluss, auf mannheim.igbce.de)

„… die Beschäftigten [erhalten] für 2020 einen „Zukunftsbetrag“ in Höhe von 9,2 Prozent eines tariflichen Monatsentgelts, was zwei zusätzlichen freien Tagen entspricht. Bis 2023 steigt der Betrag auf 23 Prozent eines Monatsentgelts oder fünf freie Tage an.
Die Tarifparteien haben acht konkrete Möglichkeiten definiert, wie der „Zukunftsbetrag“ genutzt werden kann. So können Beschäftigte zusätzliche Urlaubstage nehmen, ein Langzeitkonto auffüllen oder die Zeit für Qualifizierungen nutzen.
Es ist aber auch möglich, die Option Geld zu wählen und den Betrag in eine Pflegezusatzversicherung, Altersvorsorge, Gesundheitsschutz oder eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung zu stecken oder ihn sich – als achte Option – auszahlen zu lassen.
Im jeweiligen Unternehmen wählen die Betriebsparteien mindestens zwei dieser Möglichkeiten aus, und aus dieser Vorauswahl treffen dann die Mitarbeiter ihre persönliche Entscheidung. Ein Recht auf zusätzliche freie Tage ist mit dem Abschluss also nicht automatisch verbunden, wenn die Betriebsparteien diese Option ausschließen.“ (Handelsblatt, 22.11.)

Im Gegenzug können die Unternehmen individuell längere Arbeitszeiten vereinbaren.“ (Pressemitteilung BAVC, auf bavc.de)

Gleichzeitig vereinbarten die Tarifparteien die Einrichtung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung, die durch die Arbeitgeber finanziert wird und die Finanzierungslücke bei Eintritt des Pflegefalls weitgehend schließt.“ (igbce.de)

Demnach werden für jeden Beschäftigten 33,65 Euro im Monat eingezahlt. Im Pflegefall sind so Leistungen von 300 Euro im Monat für ambulante und 1000 Euro für stationäre Pflege möglich.“ (Handelsblatt, 22.11.)

Mit dieser Tarif-Innovation geben die Chemie-Sozialpartner eine weitere tarifpolitische Antwort auf den demografischen Wandel.“ (Pressemitteilung BAVC)

Wie gutes Krisenmanagement aussehen kann, haben IG BCE und Chemie-Arbeitgeber gleich am Anfang der Corona-Krise gezeigt – mit Vereinbarungen zur Bewältigung der Pandemie-Folgen. So haben wir uns unter anderem darauf verständigt, dass für 2021 und 2022 entstehende Zeitansprüche aus dem in der zurückliegenden Chemie-Tarifrunde vereinbarten individuellen Zukunftsbetrag bereits auf das Jahr 2020 vorgezogen werden können. Gerade Eltern betreuungspflichtiger Kinder, die gerade daheim statt in der Schule oder in der Kita sind, können so bis zu zehn voll bezahlte freie Tage mehr bekommen.“ (Besondere Maßnahmen für besondere Zeiten, auf: mannheim.igbce.de)

Tarifverhandlungen Metall 2020

Es sind tausende Arbeitsplätze und viele Standorte gefährdet, wenn wir jetzt nicht für einen sozialen Wandel eintreten. Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich in einer besonderen Situation: Die Transformation – sprich die Veränderungen von Produkten und Produktion aufgrund der Digitalisierung, der E-Mobilität, der CO2-Reduzierung, der Klimagesetzgebung und der Energiewende – führt in den meisten Betrieben zu großen Veränderungen. Trotz der dringenden Notwendigkeit gibt es aber für viele Betriebe immer noch kein Konzept, wie die Arbeitsplätze gesichert und zukunftsfest gemacht werden können. Leider nutzen einige Unternehmen, Hersteller und Zulieferer die aktuelle Lage zum Stellenabbau. So wollen zum Beispiel in der Automobilindustrie fast 50 Prozent der Betriebe in den nächsten zwei bis drei Jahren mehr als fünf Prozent Personal abbauen. Unter dem Deckmäntelchen notwendiger Veränderungen greifen sie zu Maßnahmen der Kostenreduzierung: Standortschließungen und Arbeitsplatzabbau.“ (M+E-Tarifrunde 2020 – Moratorium, auf: bw.igm.de)

Es geht um die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Vor allem geht es um die Zukunft vieler Zehntausend Beschäftigter. Die Uhr tickt. Das bedeutet auch: Die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ist keine Tarifrunde wie jede andere. Die IG Metall will dem Rechnung tragen.“ (Jahrespressekonferenz 2020 der IG Metall)

Die Arbeitgeber erklären sich bereit, keine einseitigen Maßnahmen zum Personalabbau, zur Verlagerung von Produkten und zur Schließung von Standorten zu ergreifen. Die IG Metall erklärt ihre Bereitschaft, in allen Tarifbezirken unmittelbar ab morgen in die Verhandlungen zu einem Zukunftspaket und die weiteren Themen der Tarifrunde 2020 einzusteigen. Ziel ist, vor Ende der Friedenspflicht zu Ergebnissen zu kommen… Ziel ist die Festlegung konkreter Investitions- und Produktperspektiven für Standorte und Beschäftigte, Vereinbarungen über Maßnahmen zur Personalentwicklung und entsprechende Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung und zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.“ (Ebd.)

Bei Unterauslastung einzelner Beschäftigtengruppen soll vorrangig eine Reduzierung des Arbeitsvolumens ohne Entgeltabsenkung erfolgen. Etwa durch die Nutzung von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit mit Aufzahlung und Arbeitszeitabsenkung mit Teillohnausgleich. Die Tarifvertragsparteien verständigen sich auf eine Überarbeitung und Ergänzung der hierfür notwendigen tariflichen Regelungen.“ (Moratorium für einen fairen Wandel, auf: igmetall.de)

Ziel ist es auch, den Anteil der Beschäftigten, die über Altersteilzeit und andere Modelle des flexiblen Übergangs früher in Rente gehen können, zu erhöhen.“ (M+E-Tarifrunde 2020)

Die IG Metall will eine Entgelterhöhung für die Beschäftigten erreichen und fordert auch in dieser Tarifrunde, dass die Einkommen steigen, um die Kaufkraft zu stärken. Schließlich ist die private Nachfrage der größte Wachstumsfaktor in der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Die IG Metall wird – wenn die Arbeitgeber dem Moratorium zustimmen – jedoch keine bezifferte Entgeltforderung erheben.“ (Ebd.)

Unter dem Eindruck der Corona-Krise einigten sich IG Metall und Arbeitgeber am Freitag darauf, die Löhne in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Arbeitnehmer mit kleinen Kindern erhalten zusätzliche freie Tage und Kurzarbeiter können auf Zuzahlungen setzen. … Dabei soll es keinen allgemeinen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld geben, sondern eine feste Summe von 350 Euro pro Mitarbeiter … Beschäftigte mit Kindern bis 12 Jahren sollen bis zu fünf freie Tage zur Kinderbetreuung erhalten, wenn sie zuvor ihre Arbeitszeitkonten abgeräumt und weitere tarifliche Möglichkeiten für freie Tage ausgeschöpft haben. … „In dieser Krise sind solidarische Lösungen gefragt. Jetzt kommt es darauf an, dass die Beschäftigten Sicherheiten bekommen“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Freitag in Frankfurt. … „Wir haben einen Tarifvertrag geschlossen, mit dem Beschäftigung und Einkommen geschützt werden und Eltern sich um ihre Kinder kümmern können, wenn Kitas und Schulen geschlossen sind. Dieser Abschluss ist ein Beitrag zur Abfederung der Corona-Kise und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.““ (Kein Lohn-Plus wegen Corona, BILD 20.3.20, auf: bild.de)

Lesetipp zur Vorbereitung auf die Diskussionsveranstaltung:

Die deutsche Sozialpartnerschaft heute: I. Arbeiterbewegung in nationaler Mission: Wie Deutschlands Industriegewerkschaften sich um den Geschäftserfolg der nationalen Unternehmerschaft kümmern. In: GegenStandpunkt 2-20